20. September 2012 | Service | 2 Kommentare

Heute ist Weltkindertag: Kinder brauchen Zeit.

Es ist gar nicht so einfach, Kinder mit ihren Freunden zu verabreden. Sport, Musikschule, Fremdsprachenunterricht … die Terminpläne mancher Kids im Kindergarten- und Grundschulalter sind bereits proppevoll. Das Leistungspensum auf den weiterführenden Schulen, verlangt den älteren Kindern einiges ab – vor allem seit die Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre heruntergesetzt wurde. Freie Zeit ist Mangelware. Dabei ist das Recht der Kinder auf Spiel und Freizeit, aber auch auf elterliche Fürsorge und Beteiligung für die Entwicklung des Nachwuchses immens wichtig, betonen UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk. “Kinder brauchen Zeit!” – unter dieses Motto haben daher die Kinderrechtsorganisationen den heutigen Weltkindertag gestellt.

Was hat der Weltkindertag mit Strom zu tun? Ehrliche Antwort: nichts. Aber: Auch bei Yello arbeiten viele Eltern und viele bringen hier auch ab und an ihre Kinder mit ins Büro. Denn bei unserem familienfreundlichen Unternehmen gibt es etwa einen eigens ausgestatteten Raum, in dem sich die Kinder mit ihren Mamas und Papas zurückziehen, spielen und basteln können, während die Großen in Ausnahmesituationen am PC weiterarbeiten. Eine Art gelbes Kinderparadies mit integrierter Schreibtischecke. Deshalb liegt uns der heutige Weltkindertag natürlich besonders am Herzen.

Bereits 1954 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen das Kinderhilfswerk UNICEF mit der Ausrichtung eines Weltkindertages beauftragt. Heute wird der Weltkindertag national in mehr als 145 Ländern an unterschiedlichen Tagen gefeiert. Seit der Wiedervereinigung steht in Deutschland der 20. September ganz im Zeichen von Feierlichkeiten, die die Kinderrechte in den Blickpunkt rücken sollen.

Da der diesjährige Weltkindertag auf einen Wochentag fällt, laden viele Städte, Organisationen, Vereine und Gemeinden erst am Wochenende zu Familien- und Spielfesten ein. Eines der größten Feste veranstaltet wohl das Deutsche Kinderhilfswerk, das in diesem Jahr sein 40jähriges Bestehen feiert, am kommenden Sonntag in Berlin am Potsdamer Platz. Das größte Fest in Nordrhein Westfalen findet in Köln statt.

Wie wichtig das Spielen für die Entwicklung des Kindes ist, darauf verweist UNICEF: “Im Spiel lernen Kinder mit allen Sinnen, mit starker emotionaler Beteiligung, mit geistigem und körperlichem Krafteinsatz. Es fordert und fördert die ganze Persönlichkeit. Im Spiel lernen die Kinder freiwillig und mit Spaß, über Versuch und Irrtum, ohne Versagensängste.” Vielen Kindern bliebe aber einfach nicht mehr die Zeit zum freien Spiel, weil ihr Alltag durchgetaktet ist. Während manchen Kindern kaum Zeit zur Erholung bliebe, sind andere Kinder sich selbst überlassen, verbringen viel Zeit vor dem Bildschirm, bewegen sich wenig und pflegen kaum soziale Kontakte.

Zeit ist ein kostbares Gut.

Im Vorfeld des Weltkindertags haben UNICEF und das Deutsche Kinderhilfswerk rund 2000 Jugendliche online nach ihrem Wochenplan befragt. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Die Schule ist ein Vollzeitjob, für Hobbys und Freunde bleibt den Kids nur wenig Zeit.

“Zeit ist ganz generell ein kostbares Gut”, betont auch Jens Peter Iven, Pressesprecher der Evangelischen Landeskirche im Rheinland. In der kirchlichen Jugendarbeit sei die Schulzeitverkürzung deutlich spürbar: “Es wird beispielsweise schwieriger, den Konfirmandenunterricht so anzubieten, dass alle kommen können.” Lange Schultage, wechselnde Stundenpläne ließen die Terminplanung schwierig werden. Auch das ehrenamtliche Engagement leide unter den veränderten Rahmenbedingungen, teils müssten Jugendliche ihre freiwilligen Ämter aufgegeben, weil ihnen dafür schlichtweg die Zeit fehle. “Wir als Kirche stehen vor der Aufgabe mit weniger planbaren Ressourcen zu arbeiten. Wir bemühen uns um kreative Lösungen, und versuchen, manche Jugendangebote auf den Samstag zu verlegen”, berichtet Jens Peter Iven.

Dabei ist das soziale Engagement von Kindern und Jugendlichen nicht nur erwünscht, sondern auch für deren Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Wer Kinder ernst nehme, der müsse ihnen auch Zeit für freiwilliges Engagement zum Beispiel in Kinder- und Jugendparlamenten, Kinder- und Jugendversammlungen oder in Jugendverbänden lassen, fordert UNICEF und erläutert: “Hier können sie unmittelbar demokratische Erfahrungen machen, die Auswirkungen ihres Engagements sehen, nachvollziehen und sich damit identifizieren. Kinder und Jugendliche werden hier als Experten in eigener Sache ernst genommen und können Politik und Gesellschaft durch neue Ideen anregen.”

In diesem Zusammenhang verweist die Kinderrechtsorganisation auch eindringlich auf die hohe Armutsrisikoquote hin. Gerade für diese Kinder sei Zeit für gesellschaftliches Engagement wichtig: “Armut umfasst neben der materiellen Dimension ebenso soziale, gesundheitliche und kulturelle Bereiche. So sehen sich Kinder in Armut häufig ausgeschlossen von Bildung, Partizipation und Perspektive. Sie müssen stärker und mit mehr Zeitaufwand gefördert werden als ihre materiell besser gestellten Altersgenossen, damit sie ihr Recht auf Beteiligung wahrnehmen können.”

Kinder brauchen ihre Eltern.

Ob es nun das sonntägliche Kuscheln im Elternbett, der gemeinsame Fernsehabend, der Schwimmbadbesuch, der Spaziergang im Wald oder das allabendliche Vorleseritual ist: Kinder möchten gerne Zeit mit ihren Eltern verbringen. Sie brauchen ihre Liebe, Zuwendung, Anerkennung, Motivation, aber auch ihre Hilfe und Trost. Dabei sind die Kinder in der Regel realistisch, stellen die Notwendigkeit von Arbeit und Berufstätigkeit der Eltern nicht in Frage. Schmunzelnd erinnere ich mich an die Situation als meine älteste Tochter (damals sechs Jahre), ihre zwei Jahre jüngere Schwester auf den Schoß nahm und ihr tröstend erklärte: “Guck mal, Mama muss jetzt arbeiten gehen. Aber dann verdient sie auch Geld und kann uns schöne Sachen kaufen.”

Sind die Eltern dann zu Hause, fordert der Nachwuchs die gemeinsame Zeit mit ihnen auch ein. Dies bestätigt auch die Studie “Was Kinder denken, fühlen und wünschen 2011″ von Iconkids & Youth im Auftrag der Zeitschrift ELTERN Family. Danach wünschen sich 76 Prozent der befragten Kinder, dass ihre Eltern sich mehr Zeit für sie nehmen. 46 Prozent der Kids teilten mit, dass sie „vor lauter Lernen“ kaum noch Zeit für andere Dinge haben, die sie gerne machen.

UNICEF resümiert: “Gemeinsame aktive Zeit mit Vätern und Müttern ist Kindern besonders wichtig. Jede Stunde davon ist deshalb ein Beitrag für das Wohlergehen der Kinder und damit der ganzen Gesellschaft. Politik und Gesellschaft müssen die Bedingungen für Familien so verbessern, dass die Belange von Kindern nicht länger übergangen werden. Das funktioniert besser, wenn Politiker Kinder nicht nur als künftige Leistungsträger wahrnehmen, sondern als eigenständige Persönlichkeiten respektieren.”

Zusammen mit dem Deutschen Kinderhilfswerk wünscht sich UNICEF verändernde gesellschaftliche und politische Maßnahmen, damit den Zeitbedürfnissen von Kindern und Familien Rechnung getragen werden kann:

  1. Arbeitszeiten und Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen müssen besser koordiniert werden. Dazu müssen sich Arbeitgeber, Gewerkschaften und Kommunen und andere Träger von Betreuungseinrichtungen abstimmen.
  2. Wenn Kinder mehr Zeit in der Schule verbringen, müssen Unterricht und andere Aktivitäten sich sinnvoll ergänzen. Dies muss berücksichtigt werden, wenn das Angebot an Ganztagsschulen entsprechend dem Bedarf erweitert wird. Schule muss auch ein Ort sein für Sport und Musik, für Theater und Malen, ein Platz zum Spielen und zur sinnvollen Freizeitgestaltung mit Gleichaltrigen.
  3. Die Kommunen müssen für eine kinderfreundliche Gestaltung von Schulen und Betreuungseinrichtungen von Bund und Ländern die notwendige Unterstützung erhalten. Die prekäre Haushaltslage vieler Kommunen darf nicht länger dazu führen, dass zu Lasten der Kinder gespart wird.

Die Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, Diana Golze, erklärt anlässlich des Weltkindertages: „Kinder brauchen Zeit, über die sie selbstbestimmt verfügen und die sie für
sich sinnvoll nutzen können. Die Aufgabe der Politik ist es, ihnen genau diese Zeit zu geben und die Grundlage für ein kindgerechtes Aufwachsen unter bestmöglichen Bedingungen zu ermöglichen.“

  1. gold price sagt:

    „Kinder brauchen Zeit!“ – so lautet das diesjährige Motto von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk zum Weltkindertag am 20. September. Damit möchten die Kinderrechtsorganisationen das Recht der Kinder auf Spiel und Freizeit, auf elterliche Fürsorge und auf Beteiligung ins Bewusstsein rücken.

  2. Goldaccount sagt:

    Schule darf nicht alles sein: Zum Weltkindertag erinnern Kinder mit einer Aktion an der Berliner Weltzeituhr an ihr Recht auf Spiel und Freizeit. Doch die Realität widerspricht dem: Viele Kinder und Jugendliche arbeiten für die Schule so viel wie Erwachsene in Vollzeitjobs. Rund 38,5 Stunden pro Woche verbringen viele Schüler mit ihren Schulsachen – die Kleinen weniger, in den Klassen 9 bis 13 sind es aber auch schon mal Wochen mit 45 Stunden. Das geht aus einer nicht repräsentativen Online-Umfrage zum Weltkindertag hervor, die Unicef und Deutsches Kinderhilfswerk jetzt in Berlin vorstellten. Aktion und Umfrage entsprechen dem diesjährigen Motto “Kinder brauchen Zeit”.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Reaktionen