16. August 2012 | Service | Keine Kommentare

Die Nacht zum Tag gemacht – Lichtverschmutzung in Städten.

In der Zeit vom 17. Juli bis zum 24. August hat man die Chance Sternschnuppen zu sehen. Dieser Zeitraum wird Perseiden genannt. Und angeblich waren in der Nacht vom 12. August die meisten Sternschnuppen unterwegs. Also ab ans Fenster, den Blick gen Himmel gerichtet und gebannt darauf warten, dass möglichst viele Schnuppen vorbeihuschen. Denn schließlich darf man sich ja beim Erblicken einer Sternschnuppe etwas wünschen. Haben Sie welche gesehen? Ich leider nicht.

Obwohl der Himmel klar und gute Sicht war. Aber ich wohne auch mitten in einer Großstadt und da ist es einfach zu hell. Und ein Sternenhimmel ist nicht wirklich sichtbar. Kein Wunder. Denn überall brennen Lichter: Laternen, Leuchtreklamen, Flutlichtanlagen. Und die strahlen das Licht leider nicht nur an die Stellen, die erhellt werden sollen. Das meiste Licht geht zu den Seiten oder nach oben verloren. Wenn dazu noch viele Staubpartikel in der Luft sind oder Wolken am Himmel kann die Nacht auch taghell erscheinen. Denn dadurch wird das Licht stark reflektiert und gestreut. So entstehen Lichtglocken über den Städten. Forscher nennen das Lichtverschmutzung.

Immer heller.

Großstädte wie Berlin strahlen bei klarem Himmel circa zehnmal stärker als vor 150 Jahren. In einer wolkigen Nacht sogar 1000 Mal stärker. Und Forscher gehen davon aus, dass sie immer heller werden. Ein weiterer Trend in vielen Städten ist, dass mehr und mehr LED-Lampen verwendet werden. Der bisherige Lichtton ist eher gelblich oder orange-rot. Durch LED-Lampen wird er weißlich. Und dadurch deutlich heller.

Nebenwirkungen.

Diese Entwicklung bleibt für die Umwelt nicht unbemerkt. Schon heute gibt es Menschen, die Dunkelheit bei Nacht gar nicht kennen. Sie verlieren jegliches Gespür für Tag und Nacht. Dadurch wird der Hormonhaushalt durcheinander gebracht.

Die genauen Schäden für die Gesundheit sind aber noch lange nicht bekannt. Auch die Pflanzen- und Tierwelt wird beeinflusst. So wurde beobachtet, dass Laubbäume in der Nähe von Straßenlaternen ihre Blätter viel später verlieren. Und Biologen haben bei Seen in der Nähe von Großstädten festgestellt, dass das Plankton in dunkle Bereiche absinkt. Dort verbraucht es wiederrum den Sauerstoff, den eigentlich Fische benötigen.

Besonders Insekten werden von hellem Licht angezogen. So geht man davon aus, dass in einer Sommernacht circa eine Milliarde Insekten an Straßenlaternen zugrunde gehen. Nachtaktive Zugvögel verlieren ihre Orientierung und fliegen gegen hell erleuchtete Hochhäuser. Und Singvögel fangen schon mitten in der Nacht an zu zwitschern. Auch der Nachwuchs von Meeresschildkröten ist betroffen. Schlüpfen sie an Stränden, die nahe einer beleuchteten Großstadt liegen, krabbeln sie anstatt ins kühle sichere Nass in Richtung Licht. Somit werden sie leicht zur Beute.

Kampf dem Licht.

Die gute Nachricht ist, einige Städte und Länder haben schon begonnen gegen die Lichtverschmutzung vorzugehen. Und es gibt erste Erfolge: Belgien zum Beispiel schaltet seine grelle Autobahnbeleuchtung nach Mitternacht ab.

Slowenien hat sogar ein Gesetz gegen die Lichtverschmutzung erlassen: Beleuchtung darf nicht mehr sinnlos in den Himmel strahlen. Städte wie Zürich oder Rotterdam wollen Lampen besser fokussieren.

Und hierzulande?

Die Stadt Augsburg gilt deutschlandweit als Modellstadt für umweltfreundliche Beleuchtung. Durch gezielte Maßnahmen bei der öffentlichen Beleuchtung konnte der Stromverbrauch um 20 Prozent gesenkt werden, was zu einer jährlichen Kostenersparnis von 250.000 Euro führt. Und diesem Beispiel sollten alle Städte folgen. Denn wozu sollte, nur als Beispiel, in der Nacht jede Straßenlaterne brennen? Es genügt auch jede zweite oder jede dritte.

Und vielleicht kann man dann auch irgendwann wieder den Sternenhimmel sehen ohne erst weit hinaus aufs Land fahren zu müssen.

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