10. Juli 2012 | Aktion | Ein Kommentar

Elektroroller im Test: Mit dem Kumpan unterwegs.

Es nervt schon ein bisschen: Regelmäßig vor den Ferien erhöhen die Ölkonzerne die Benzinpreise. Und wirklich günstig sind die sowieso schon seit Jahren nicht mehr. Die Alternative heißt “Elektromobilität”. Dabei denken die meisten dann sofort an Elketroautos. Die ersten Modelle dazu gibt es ja schon seit einer Weile auf dem Markt. Aber – insbesondere im Sommer oder auf kurzen Strecken in der Stadt – sind Elektroroller eine echte Alternative.

Auch bei den E-Scootern, wie sie auch genannt werden, gibt es inzwischen zahlreiche Modelle auf dem Markt – von windschnittigen Flitzern bis hin zu nostalgischen Rollern. Einen davon haben wir jetzt selber getestet: den “Kumpan”.

Das Erste, das auffällt: Der Kumpan sieht gar nicht aus wie ein Elektroroller – eher erinnert das Design an eine schnuckelige Vespa oder Lambretta aus den Fünfzigerjahren: mit Bonbonfarben, Weißbandreifen und viel Chrom. Daher auch der Name: Modell “1954″ (wir selbst hatten für unseren Test allerdings einen schwarzen Roller – siehe Fotos unten).

Akku an Bord.

Die Reichweite des E-Scooters beträgt zwischen 50 und 60 Kilometer – je nach Straßensituation, Fahrweise und Gewicht des Fahrers. Und das bei einer Geschwindigkeit von 45 Stundenkilometern, maximal ist sogar Tempo 54 möglich. Schalten muss man bei einem Elektromotor natürlich auch nicht. Sobald man am “Gas”-Hebel dreht, flitzt der Roller auch schon los.

Damit ist der Kumpan vor allem Innenstadt tauglich: kurze Wege zur Arbeit oder kleine Besorgungen lassen sich damit ganz schnell und günstig realisieren. Einen Parkplatz findet man damit praktisch immer. Und wer mal vergessen hat, den Akku aufzuladen, kann den schnell an eine Steckdose anschließen oder bei künftigen Modellen sogar herausnehmen und mit ins Büro nehmen (aber vorher den Chef fragen – Stromklau ist kein Kavaliersdelikt!).

Wer jetzt denkt: “Die sind aber bestimmt groß und schwer, die Akkus!”, der irrt. So ein Akku-Paket wiegt lediglich 5,5 Kilo. Unsere Testfahrerin Jenny hatte damit keinerlei Probleme, wie man sieht:

70 Cent auf 100 Kilometer.

Und günstig ist so ein E-Roller! Auf 100 Kilometer kommt der Flitzer auf einen durchschnittlichen Verbrauch von gerade mal 70 Cent. Das schafft kein Benziner.

Mobil ist man damit ebenfalls. Für eine volle Ladung benötigen die vier Blei-Silizium-Gel-Akkus rund 7 Stunden (etwa über Nacht), nach vier bis fünf Stunden sind sie schon zu 90 Prozent wieder aufgeladen – ganz ohne Memory-Effekt. Praktisch.

Kein lästiges Motorgeknattere.

Und noch einen Vorteil haben die Strom-Roller: Sie sind nicht nur umweltfreundlich, sondern auch leise (siehe Video)! Lärmende Motorgenknattere fällt damit komplett weg. Allerdings stellt das natürlich auch eine Gefahrenquelle dar: Als Radfahrer oder Fußgänger hört man die E-Roller nicht mehr, wenn sie sich von hinten nähern. Ich könnte mir vorstellen, dass die Hupe deshalb häufiger zum Einsatz kommt.

Unser getestetes Modell 1954 gibt es übrigens in zwei Varianten: einer gedrosselten Version mit maximal 25 Stundenkilometern, die schon 15-Jährige mit Mofa-Führerschein fahren können. Und in der Version mit 45 Stundenkilometern (die wir getestet haben). Dazu reicht einem Erwachsenen beispielsweise schon ein Führerschein der Klasse 3 (beziehungsweise A, B oder ab 16 Jahren: M, A1). Zum Fahren ist lediglich ein Moped-Kennzeichen erforderlich. Das kostet ab 40 Euro im Jahr. Ansonsten ist der E-Roller steuer- und zulassungsfrei.

Und trotz Akkus bleibt im Roller immer noch genug Stauraum. Wem das allerdings zu wenig ist, der kann natürlich auch noch ein abschließbares Case hinten aufschnallen – etwa für den Helm.

Außen retro, innen öko: Das Startup aus Remagen.

Hinter dem Kumpan steckt übrigens noch eine schöne Geschichte – die der drei Tykesson-Brüder Patrik, Daniel und Philipp. Das Trio mit schwedischen Wurzeln hat das Unternehmen erst vor rund drei Jahren in Remagen bei Bonn gegründet. Es war ihr Traum vom Unternehmertum, der sich damit für die drei erfüllte.

Gründe runter Dauerstrom: Daniel (links) und Patrik Tykesson.

In China fanden sie dank der frühen staatlichen Förderung der Elektromobilität eine im Vergleich zu Deutschland bereits fortgeschrittene Technologie, reichlich Know-how und günstige Produktionsbedingungen. Designt werden die Roller allerdings in Deutschland – und auch vom TÜV-Süd nach deutschem Qualitätsstandard geprüft. Mit dem Konzept gewannen die Drei erst im vergangenen Jahr den Gründerpreis der Wirtschaftswoche. Und die Entwicklung geht weiter: Nach dem ersten Facelift des 1954er Modells gibt es bald schon eine neue Design-Version, noch nostalgischer und ein bisschen kleiner – den 1953er. “Das wird DER Roller für Frauen”, sagt Patrik. Und tatsächlich: Unsere Jenny hätte den Prototypen am liebsten gleich aus dem Showroom mitgenommen…

Weitere Elektroroller-Anbieter:

Doch halt! Natürlich gibt es inzwischen einige weitere Hersteller, die solche E-Scooter anbieten (die wir aber nicht getestet haben). Hier eine kleine Auswahl – vergleichen lohnt sich, denn Geschmäcker und Anforderungen sind bei einem solchen Design-Objekt eben doch höchst individuell…

Über den Autor.

Jochen Mai war von Dezember 2011 bis November 2013 Social Media Manager bei Yello Strom und für den strategischen Auf- und Ausbau sämtlicher Social Media Kanäle des Unternehmens verantwortlich. Als leidenschaftlicher Blogger hat er natürlich auch hier im Bloghaus mitgeschrieben. Inzwischen hat Jochen das Unternehmen wieder verlassen und bloggt heute weiter auf seinen Seiten Karrierebibel.de und Weinbilly.de.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>